Nun, ich weiß nicht, ob ich stolz drauf sein kann oder eher Mitleid verdient hab, aber in den Monaten Juni und Juli hab ich mehr als 25.000 km zurückgelegt.
Diese Wahnsinnszahl ergibt sich ganz einfach durch meinen Kursbesuch in Irland und die darauf folgende Reise nach Westkanada.
Aber, warum – um Himmels Willen! – Westkanada???
In meinen Teenagerjahren besuchte ich regelmäßig die Kurse eines kanadischen Trainers und weil damals jede erdenkliche Arbeit, die sich nur irgendwie um Pferde drehte, meine Lieblingsbeschäftigung war, verbrachte ich mit 17 Jahren einen Sommer in der kanadischen Prärie. Und weil’s so schön war, wiederholte ich das ganze ein Jahr später und blieb gleich für 6 Monate. In dieser Zeit traf ich auch wieder auf meine Trainerin aus Kindertagen: Andrea Haydn, mittlerweile verheiratete Anderson. Ich hatte meine ersten Westernreitstunden mit Andrea, als ich etwa 8 Jahre alt war und sie betreute mich als 11-Jährige bei meinen ersten Turnieren.
Als sie einige Jahre später nach Kanada auswanderte, brach der Kontakt ab und wir trafen erst wieder im Herst des Jahres 2002 aufeinander. Seitdem haben wir unsere Freundschaft gefestigt und viele, viele unvergessliche Momente miteinander erlebt (Autofahrten, bei denen eine gelenkt und die andere die Innenseite der Scheibe freigekratzt hat, weil es so kalt war, Kinomarathons, stundenlange Diskussionen über Pferde, Reiten und das Leben an sich….).

Stampede Grounds vor der Skyline Calgarys
Seit einigen Jahren betreibt sie nun gemeinsam mit ihrem Mann Jim “Anderson Horse Training”. Jim ist hierzulande noch bekannt aus seiner Zeit als Trainer in Italien und Deutschland, wo er einen Cowhorse-Europameister-Titel und viele Erfolge in der Reining verbuchen konnte.
Bei einem gemeinsamen Aufenthalts in Oklahoma, während der NRHA Futurity 2008, hatte ich bereits Gelegenheit, die beiden von meiner Arbeit zu überzeugen (nicht, dass sie an mir gezweifelt hätten!) und durfte somit 2009 bei einem Besuch Ihrer Trainingsanlage Hand an einige ihrer “Champions” legen.
Mein Besuch in diesem Jahr wurde so organisiert, dass ich Jim und sein Pferd bei der Cowboy Up Challenge der Calgary Stampede betreuen konnte und daher landeten mein Verlobter Raphael und ich am 7. Juli (übrigens zur selben Zeit wie Wiliam und Kate!) in Calgary, wo uns Andrea und Jim samt Truck und Pferdehänger empfingen.
Es ging sogleich Richtung Stampede Grounds, welche jährlich für 10 Tage zum Schauplatz der “Greatest Outdoor Show on Earth” werden. Und die Calgary Stampede bietet wirklich beeindruckende Unterhaltung und Top-Events: Hufschmiede-Weltmeisterschaften, hoch dotierte Rodeos, “Heavy Horse” Meisterschaften, Musikshows, Hütehunde Bewerbe und eben seit letztem Jahr auch die Cowboy Up Challenge.
Ich will gar nicht zu viel erzählen, denn Bilder sagen mehr als tausend Worte: http://www.youtube.com/user/anissamaisl?feature=mhee
Es war mir eine Freude und Ehre, Pferd und Reiter bei diesem tollen Wettbewerb unterstützen zu dürfen und ich bekomm immer noch eine Gänsehaut, wenn ich mir den Finalritt ansehe! Die Mühen von Jim und CK Olena Doc (und vielleicht auch ein klitzeklitzekleines bisschen von mir) wurden am letzten Tag mit dem Titel des Reserve Champions belohnt und sie konnten ein Gesamtpreisgeld von CAD 4.500,- mit nach Hause nehmen.
Da Jim die letzten Jahre vor allem als erfolgreicher Reining-Trainer bekannt geworden war, kam sein Erfolg für einige bestimmt sehr überraschend – noch dazu war dies sein erster Start bei einem solchen Event!

Behandlung von CK Olena Doc

Natürlich musste auch Jim in Topform sein!
Allzuviel Zeit zum Feiern blieb uns allerdings nicht, da wir am Tag nach dem Finale nach British Columbia aufbrachen, um ein paar Tage bei CK Olena Doc’s Besitzern, der Familie Fenner, zu verbringen.
Dort konnte ich in komfortabler Umgebung (an einem Kraftplatz errichtetes Blockhaus mit Blick auf die Berge) ein paar “Menschenbehandlungen” durchführen und beim Reiten und Wandern Energie tanken.
British Columbia entspricht am ehesten dem Bild, das man als Europäer von Kanada hat: Berge, Wälder und Wildtiere! Dieses freie, ursprüngliche Gefühl, welches ich dort immer wieder und sehr leicht erreichen kann, wäre bei uns nur mit größerem Aufwand möglich. Denn welcher Durchschnittsösterreicher hat schon eine solch ausgeprägte Fauna und Flora vor der Haustüre? (Hat auch Vorteile! Keine Rehe, die den Heuvorrat wegfressen, keine Bären, die im Garten spazieren gehen…)

Ausreitgebiet "hinterm Haus"
Als wir wieder in Strathmore, im Stall von Andrea und Jim ankamen, nutzte ich die letzten Tage, um meine Freunde und deren Turnierpferde omnipathisch ins Lot zu bringen und dem Wettergott für unsere gemäßigten Verhältnisse daheim zu danken. Wir wurden nämlich Zeuge eines beeindruckenden Gewittersturmes und verbrachten einen Nachmittag eingekreist von Tornados (nächster Schutzbunker: etwa 500 m entfernt, im Feld des Nachbarn).
Offensichtlich sind wir aber absolut heil davongekommen und mussten uns nach 13 Tagen wieder von Andrea, Jim, deren tollen Pferden, Hunden und Katzen verabschieden und den mehr als 9-stündigen Heimflug antreten.
Dies war bereits mein 5. Besuch in den letzten 10 Jahren und Kanada ist bereits so etwas wie eine zweite Heimat für mich geworden. Ich genieße die Vorzüge beider Welten: die Freiheit, Natur und Mentalität Kanadas auf der einen Seite – die Kultur, den Komfort, das Wetter (!!) und die Organisiertheit in Mitteleuropa.
Und egal, wo ich bin: es gibt immer was zu tun!